Heilpraktiker Dirk Rexroth Rastatt - B - Vitamine

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Vitamin B1 (Thiamin, Aneurin)

Thiamin spielt beim Kohlenhydratstoffwechsel und der Energiegewinnung eine wichtige Rolle. Unentbehrlich ist es aufgrund des hohen Energiebedarfs insbesondere im Herzmuskel und im Gehirn. Im Nervensystem ist Thiamin an der Reizweiter­leitung sowie am Metabolismus wichtiger Neurotransmitter wie Acetylcholin und Serotonin beteiligt. Zudem ist es für die Blutbildung und die Verdauung (Herstellung von Salzsäure) von Bedeutung.

Mangelsymptome: Ein latenter Mangel äußert sich in Magen-Darm-Beschwerden, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Leistungsabfall, Nervosität und Kopfschmerzen. Störungen des Wasserhaushalts, kardiale (Tachykardie) und neurologische Symptome (periphere Lähmungen, Konzen­trationsschwäche und Depressionen) sowie eine Anämie können auftreten. Bei Alkoholikern kann ein schwerer Mangel die Wernicke-Pseudoenzephalitis, das Korsakow-Syndrom oder ein Delirium verursachen. Die klassische Mangelerkrankung Beriberi kommt in Asien vor, wenn geschälter Reis das Hauptnahrungsmittel ist (Thiamin findet sich in der Hülle und im Keimling). Dabei kommt es zu Lähmungen und Krämpfen sowie Herzinsuffizienz. Arzneistoffe, die zu einem Vitamin B1-Mangel führen können, sind 5-Fluorouracil (inaktiviert Thiamin) oder, bei langfristiger Behandlung, Schleifendiuretika (etwa Furosemid), Antazida, Kontrazeptiva, Neuroleptika, Digoxin und Antiepileptika. Auch größere Mengen an Alkohol, Kaffee oder schwarzem Tee vermindern die Resorption im Darm.

Erhöhter Bedarf: Dieser besteht bei Patienten unter Zytostatika-Therapie (wie 5-FU, Platinpräparate), bei Frauen, die Kontrazeptiva einnehmen, sowie bei Stress, Fieber, schwerer körperlicher Arbeit oder bei Alkoholmissbrauch. Laut Nationaler Verzehrsstudie erreichen 21 Prozent der Männer und 32 Prozent der Frauen die empfohlene Tageszufuhr nicht (1). Bei Frauen steigt dieser Anteil auf 40 Prozent bei den 65- bis 80-Jährigen

Vitamin B6

Pyridoxin ist als Coenzym Pyridoxal-5‹-phosphat (PLP) an vielen wichtigen Reaktionen im Kohlenhydrat-, Aminosäure-, Lipid- und Neuro­trans­mitter­stoff­wechsel beteiligt. Es beeinflusst den Homocystein-Spiegel und trägt zur Synthese von Niacin bei. Relevant ist es für das Immunsystem.

Mangelsymptome: Hauterkrankung wie Seborrhöe, Entzündungen im Mund und Risse an den Mundwinkeln können auftreten. Bei schwerem Mangel kommt es zu Depressionen, Verwirrtheit und Krampfanfällen.

Erhöhter Bedarf: Unter proteinreichen Diäten sollte die Zufuhr an Vitamin B6 erhöht werden. Gleiches gilt für alkoholkranke Menschen und Patienten mit Nierenerkrankungen wie chronischer Urämie oder Niereninsuffizienz. Hydralazin, Isoniacid, Cycloserin und D-Penicillamin, erhöhen den Bedarf. Hoch dosiertes Theophyllin verringert die Aufnahme von Vitamin B6. Umgekehrt beeinträchtigt die Gabe hoher B6-Dosen die Wirkung von Levodopa und erhöht den Abbau von Phenytoin. Lediglich 12 Prozent der Männer und 13 Prozent der Frauen erreichen die empfohlene tägliche Zufuhr nicht.

Vitamin B12 (Cobalamin)

In Form seiner Coenzyme Methylcobalamin und Adenosylcobalamin ist Cobalamin für den Stoffwechsel von Proteinen, Fetten und Kohlenhydraten nötig. Methylcobalamin ist an der Bildung von Methionin aus Homocystein beteiligt und daher im Zusammenspiel mit Folsäure und Vitamin B6 wichtig für die Senkung des Homocystein-Spiegels. Außerdem spielt Cobalamin eine Rolle bei der Energiegewinnung, der Myelinsynthese, der Zellteilung (etwa von Erythrozyten), der DNA-Synthese sowie im Nerven- und Herz-Kreislauf-System.

Mangelsymptome: Ein Mangel äußert sich als megaloblastäre Anämie mit Blässe, Schwindel, Müdigkeit und Herzschwäche. An neurologischen Symptomen treten Taubheitsgefühle (insbesondere in den Beinen), Gangprobleme, Gedächtnisverlust, reversible Demenz und Depressionen auf. Typisch sind zudem Risse an den Mundwinkeln, Entzündungen an der Zunge, Verstopfung und Appetitlosigkeit.

Erhöhter Bedarf: Durch die langfristige Gabe von Protonenpumpeninhibitoren wie Omeprazol und Lansoprazol kann der Cobalamin-Spiegel im Blut sinken, da eine verringerte Sekretion der Magensäure die Freisetzung von Cobalamin aus der Nahrung vermindert. Patienten unter Cholestyramin, Chlor­amphenicol, Neomycin, Colchicin, Kaliumsalzen und Metformin haben aufgrund einer gehemmten Absorption einen höheren Bedarf an Vitamin B12. Gemäß der Nationalen Verzehrsstudie nehmen 8 Prozent der Männer und 26 Prozent der Frauen nicht die empfohlene tägliche Zufuhr auf (1). Betroffen sind vor allem Frauen von 14 bis 24 Jahren (etwa 33 Prozent).

Folsäure (Vitamin B9)

Die wichtigste biologisch aktive Form der Folsäure ist das THF (5,6,7,8-Tetrahydrofolat). In seiner Funktion als Methylgruppen-Überträger nimmt es an vielen Schritten der DNA-, RNA- und Aminosäuresynthese sowie an der Bildung der Erythrozyten teil. Mit Vitamin B12 als Cofaktor verwandelt es Homocystein in Methionin.

Mangelsymptome: Ein Mangel betrifft vor allem Zellen, die sich rasch teilen, etwa Blutzellen. Dennoch bleibt er zunächst symptomlos und zeigt sich nur durch erhöhte Homocystein-Spiegel im Blut. Erst nach Monaten machen sich eine megaloblastäre Anämie mit Müdigkeit und Schwäche (aufgrund der verringerten Sauerstofftransportfähigkeit der Erythrozyten) sowie Depressionen bemerkbar. Eine Supplementierung sollte gleichzeitig auch Vitamin B12 umfassen.

Erhöhter Bedarf: Dieser besteht bei übermäßigem Alkoholkonsum sowie bei Krebserkrankungen (aufgrund erhöhter Zellteilungsraten). Auch die langfristige Einnahme von nicht steroidalen Entzündungshemmern (NSAR), Chemotherapeutika und hormonellen Verhütungsmitteln erhöht den Bedarf. Sulfasalazin verringert die Resorption; Sulfonamide und Trimethoprim hemmen die Synthese der Folsäure. Hohe Folsäure-Dosierungen können die antiepileptische Wirkung von Phenobarbital reduzieren. Die Nationale Verzehrsstudie verweist darauf, dass 79 Prozent der Männer und 86 Prozent der Frauen die empfohlene tägliche Zufuhr nicht erreichen. Der Anteil steigt mit dem Alter (ab 65 Jahren) auf 89 und 91 Prozent. Frauen sollten mindestens vier Wochen vor einer geplanten Konzep­tion damit beginnen, täglich 400 µg Folsäure einzunehmen, und dies während der gesamten Schwangerschaft beibehalten.

Homocystein

Das zelltoxische Homocystein entsteht beim Abbau der Aminosäure Methionin und wird unter physiologischen Bedingungen rasch abgebaut. Dazu benötigt der Körper allerdings eine ausreichende Versorgung an Vitamin B12, B6 und Folsäure. Bei einem Mangel an diesen Vitaminen steigt der Homocystein-Spiegel auf Werte über 15 µmol/l an (Hyperhomocysteinämie). Da man dem Homocystein aufgrund verschiedener Mechanismen wie Radikalbildung, Schädigung des Endothels und Aktivierung der Zellteilung eine gefäßschädigende Wirkung nachsagt, geht man bei erhöhten Werten auch von einem gesteigerten Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt aus. Gemäß der Homocystein-Hypothese sollte die Gabe der drei B-Vitamine (einzeln oder in Kombination) die Homocystein-Spiegel senken und damit das Risiko für die Folgeerkrankungen verringern. So gibt es einerseits zahlreiche Untersuchungen, die einen verminderten Folsäure- beziehungsweise Vitamin-B12-Spiegel mit dem erhöhten Auftreten von Schlaganfällen assoziieren und einen positiven Effekt unter B-Vitamin-Gabe zeigen. Dazu zählt etwa eine in Lancet veröffentlichte Metaanalyse. Diese kommt zu dem Schluss, dass die Supplementation mit Folsäure das Risiko für einen Schlaganfall um signifikante 18 Prozent gegenüber der unbehandelten Vergleichsgruppe verringert